Wichtigste Themen
Der Start des Kurses war stark geprägt durch die Fragen und Anregungen aus dem II. Vatikanischen Konzil. Aber auch in den darauf folgenden Jahren wurden aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft im Kurs aufgegriffen:
- Welche Aufgaben haben Kirche und Gemeinde in der modernen Gesellschaft?
Die Würzburger Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1971-1975) versuchte, die Aufgabe und Gestalt von Kirche und Gemeinde neu zu beschreiben. An die Stelle der versorgten Gemeinde stellte sie das Leitbild der mitsorgenden Gemeinde.
- Die Verantwortung der Christen für die Schöpfung
1972 veröffentlichte der Club of Rome die Studie: „Grenzen des Wachstums" und machte einer breiten Öffentlichkeit bewusst, dass natürliche Rohstoffe wie sauberes Wasser, unbelastete Luft, Erdöl und Erdgas begrenzt sind und ständiges wirtschaftliches Wachstum der Umwelt schadet. Diese Einsicht warf die Frage auf, welche Einstellung die Bibel und christliche Tradition zur Schöpfung hat und was es bedeutet, die Schöpfung wie einen Garten zu bebauen und zu pflegen (vgl. Gen 2, 15).
- Die Rolle der Frauen in der Theologie und Kirche
In den 70er Jahren entwickelte sich – auch in Auseinandersetzung mit der gesetzlichen Regelung der Abtreibung – eine neue Frauenbewegung. Frauen untersuchten, wo die Bibel benutzt wird, um die Benachteiligung von Frauen zu begründen und wie Bibel Quelle der Befreiung werden kann.
- Die Verantwortung des Christen für den Frieden
Als Antwort auf den NATO-Doppelbeschluss (1979) bildete sich eine breite Friedensbewegung. Kein anderes Thema hatte bisher die Menschen so aufgewühlt und zum Protest herausgefordert.
Dabei stellte sich die Frage: Gibt es verbindliche Richtlinien für ein christliches Friedensengagement?
- Patchworkreligion und Erlebnisreligion
Seit Anfang der 80er Jahre gibt es einen neuen Umgang der Menschen mit der Religion. Es wächst ein Interesse an fremden Religionen, an Meditation, Mystik und Spiritualität. Menschen verwenden ganz unterschiedliche Quellen zur Ausgestaltung ihrer Religiosität, z.B. Buddhismus, Christentum, Psychologie, Naturfrömmigkeit der Indianer, Religiosität der Kelten. Die Lehren einer Religion oder Kirche wird nicht mehr als ganzes Paket übernommen, sondern aufgeschnürt, einzelne Teile werden herausgenommen und zu einem persönlichem Patchwork zusammengefügt. Ein bisschen Buddha, ein bisschen Jesus, ein bisschen Psychologie.
Von der Religion wird nicht nur erwartet, dass sie Antworten auf Lebensfragen gibt, sondern dass sie die Sinne anspricht, bewegt, betroffen macht, Events bietet.
Der Theologische Kurs greift die Frage auf: Wieviel Freiräume sind möglich und wieviel Verbindlichkeit ist nötig ?
- Interreligiöser Dialog
Durch Reisen kommen wir mit anderen Religionen in Berührung. Seit Jahrzenten übt der Buddhismus im Westen eine große Faszination aus. Etwa 4 Millionen aus muslimisch geprägten Ländern stammende Menschen leben in der Bundesrepublik. Der Theologische Kurs vermittelt Wissen und Kompetenzen für den interreligiösen Dialog.
- Naturwissenschaft und Religion
Viele Menschen sind stark durch naturwissenschaftliches Denken geprägt. Ist Religion die Welterklärung der vormodernen Zeit und wird sie heute durch die Naturwissenschaft ersetzt? Oder sind Religion und Wissenschaft zwei unterschiedliche Welterklärungen und Weltdeutungen, die einander ergänzen?
- Welche Zukunft hat Religion?
Die einen sagen: Je moderner die Gesellschaft, umso mehr geht Religion zurück (Säkularisierungsthese). Die anderen sagen: Das Interesse an Religion wächst und die Religionen werden in der Weltpolitik eine größere Rolle spielen (Renaissance-These). Wieder andere sagen: Anstelle der zurückgehenden kirchlich geprägten Religiosität werden sich private Formen von Religiosität und Spiritualität ausbilden (Privatisierungsthese).
Auch in Zukunft bleibt der Kurs offen für Themen der Zeit und Fragen der Teilnehmenden.
- Durchgehend und besonders seit in den 2000er Jahren wird die Frage, wie verantwortetes Christsein heute lebbar ist, im Kurs diskutiert. Der Rückgang der Kirchenmitglieder, sinkende Zahlen bei Taufen und Eheschließungen nehmen dramatisch zu. Die seit der Würzburger Synode nicht geklärten theologischen Fragen im Blick auf Kirchenbilder, Zugangsvoraussetzungen für das kirchliche Amt etc. bewegen die Teilnehmenden weiterhin nachhaltig.
- Die Missbrauchskrise und der damit verbundene Vertrauensverlust des kirchlichen Amtes haben den Synodalen Weg 2019 mit ausgelöst. Die dort diskutierten Fragen sind auch Gegenstand der theologischen Diskussion im Kurs.
- Der Prozess Kirchenentwicklung 2030 ist nicht nur ekklesiologisch ein Thema, sondern veranlasst Menschen, im Theologischen Kurs Rüstzeug für Entwicklungsmut und –perspektiven zu finden.
